Selbstverteidigung und Kampfkunst

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Entscheidendes Merkmal der Selbstverteidigung ist es, dass nur einfachste und universell anwendbare Techniken betrachtet werden und lediglich die Effizienz nicht aber die Eleganz eine Rolle spielen. Alles was der Verteidigung nützt (beissen, kratzen, spucken, ...) ist erlaubt.

Eine Kampfkunst zeichnet sich durch komplexere Techniken aus, deren Effizienz durchaus gegeben sein kann, die aber langes Training verlangen und häufig eine speziellere Ausrichtung (Anwendungsmöglichkeit) aufweisen. Die Techniken setzen auf einer ästhetischen, historischen oder philosophischen Basis auf. Eine Kampfkunst dient vor allem der charakterlichen und körperlichen Schulung und bietet einen philosophischen Hintergrund. Der Selbstverteidigungsaspekt spielt in der Kampfkunst nur eine untergeordnete Rolle.

Andererseits stellt die Selbstverteidigung in der Hauptsache ein psychisches und nicht ein physisches Problem dar. Die Stärke des Willens ist entscheidend und dieser wird gerade in Kampfkünsten in vorzüglicher Weise trainiert. Dazu bieten Kampfkünste neben der vorteilhaften Schulung der Kondition (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Gelenkigkeit) natürlich auch Techniken, die in der Selbstverteidigung angewendet werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Selbstverteidigung von der Kampfkunst durch einen stark reduzierten aber vielfältig einsetzbaren Technikumfang und die pragmatische Ausrichtung unterscheidet. Die philosophische Basis einer Kampfkunst und das ausgeprägte erzieherische Element fehlen.

Typische Kampfkünste sind Aikido und Karate. Judo hat sich mittlerweile fast zum reinen Kampfsport entwickelt, während Ju Jutsu eine Zwischenstellung zwischen Selbstverteidigung und Kampfsport einnimmt. Beim Kampfsport steht der Wettkampf im Vordergrund, welcher bei den Kampfkünsten und der Selbstverteidigung nur eine Nebenrolle spielt.

Möchte man nun eine Kampfkunst oder einen Kampfsport betreiben mit dem vorrangigen Ziel, die eigenen Fähigkeiten zur Selbstverteidigung zu stärken, so fragt sich, welcher Sport ist dazu am besten geeignet. Judo verbessert insbesondere die Kraft und die Ausdauer, beinhaltet aber keine Schlagtechniken. Dafür sind Judo-Fertigkeiten in Umklammerungssituationen oder in der Bodenverteidigung besonders nützlich. Im Karate werden fast ausschliesslich Schlag- und Trittechniken trainiert. Karate verbessert besonders die Schnelligkeit, die Gelenkigkeit und die Koordination. Speziell bei Schlag- oder Trittangriffen sind Karate-Fähigkeiten daher von Vorteil. Gleiches gilt in ähnlicher Weise auch für das Taekwondo oder das Kickboxen. Das Aikido zeichnet sich durch besonders elegante Bewegungen aus, die allerdings langjähriger Übung bedürfen, um auch in Selbstverteidigungssituationen eingesetzt werden zu können. Im Aikido werden hauptsächlich Hebeltechniken geübt. Aikido kann sehr gut von älteren Menschen praktiziert werden. Für Selbstverteidungszwecke ist das Aikido jedoch nur eingeschränkt zu empfehlen.

Bleibt schliesslich noch das Ju Jutsu oder verwandte Systeme, wie Jiu Jitsu, Kung Fu usw. zu nennen. Diese Systeme beinhalten sowohl Schlag- und Trittechniken, als auch Wurf- und Hebeltechniken. Es werden somit alle für die Selbstverteidigung wichtigen Techniken und Situationen trainiert. In aller Regel werden in diesen Systemen auch Wettkämpfe durchgeführt. Die Techniken können so auch unter erschwerten bzw. realitätsnäheren Bedingungen erprobt und geübt, so dass sich diese Systeme wohl am besten als Basis für ein Selbstverteidigungstraining eignen.